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Was es bedeutet & was es heisst

 

Cover - Was es bedeutet und was es heisst

Visions , Juni 2007:

Ich bin auf der Rückfahrt von einem Interview mit Götz Alsmann und höre Spandau. "Ein Riff ist noch kein Song", hat Alsmann gesagt und die Bedeutung der Melodie betont. Für diese würde der alte Jazzschlagerist Spandau lieben, denn sie steht bei der Band absolut im Vordergrund. Der Gesang stürmt der Musik frontal voraus und äußert sentimental euphorisch Hymnen Marke Kettcar, Wohlstandskinder, Muff Potter oder Jupiter Jones, in die man schnell einfallen kann und will. Wofür Alsmann sie nicht mögen würde, ist der Ernst der Sache, das angerissene Klischee, die Humorlosigkeit. Die aktuelle EP "Was es bedeutet und was es heißt" hat Roadmovie-Artwork und drückt auf die Tränendrüsen männlicher Melancholie. Gerade das macht ihre Stärke aus, die Entschlossenheit, da weiterzufahren, wo viele "coole" Menschen abspringen, weil es ihnen zu kitschig wird.

 

Blueprint-Fanzine, Juni 2007:

2005 konnten SPANDAU bereits mit "Die Sonne scheint anders" gewinnen und sich nachhaltig festsetzen mit diesen einfachen Melodien, die dennoch nicht so schnell verklingen. Mit "Was es bedeutet & was es heißt" legen die Hamburger nun eine EP nach. Wieder in Eigenregie und wieder genau so gut und liebevoll wie beim Vorgänger.
Am Anfang muss man sich ein wenig an den Gesang gewöhnen, die Platte hat doch kleine "Menscheleien", aber dadurch wird sie nach einiger Zeit erst richtig charmant. Allerdings fehlt im Vergleich zur letzten EP ein wenig der Drive. Für meinen Geschmack hätte an einigen Stellen ein wenig mehr Tempo und Druck das Album zu einem richtigen Hit gemacht. So bleibt es ein kleiner Hit, der an manchen Stellen in der Schrammellei verschwindet und dann mit seinem charmanten Wechselspiel der Gitarren wieder auftaucht.
Wem KETTCAR zu sehr in den Pop driften und SCHROTTGRENZE zu viel ins Feuilleton gestrebt sind, der findet hier noch Musik mit Herz und Hingabe, ohne zu viel Spielerei. Schrammelgitarren bleiben Schrammelgitarren.

 

Dosenmusik, Juli 2007:

Hamburg ist eine der Städte, in der sich Indie- und Punkszene nicht ausschließen und gegenseitig abgrenzen, wie dies gern als Notwendigkeit gesehen wird. Wie sinnvoll es aber ist, keine Trennung zwischen alternativen Musikigenres zu ziehen zeigten damals Tomte, zeigen heute Muff Potter, oder internationaler bezogen, Jawbreaker, Cursive oder Against Me!
Spandau haben diesen Schubser in Richtung Punk bekommen, versuchen damit ihre Emotionen Hamburger Art auszudrücken und klingen dabei wie einst Tomte klangen, als Thees Uhlmann noch frustriert und die gesamte Band technisch reiflich unversiert war.
Heisst: Simple Melodien, dazu emotionaler Gesang mit subtiler Wut, irgendwo zwischen, haha, Punk und Indierock. Böse Zungen sagen Emopunk dazu und greifen damit ziemlich daneben.
Textlich dreht es sich um Verabschiedungen ("Ansichten der Ferne", "Brandung und Lichter"), norddeutsche Nachtromantik ("Was komisch war ist fort") also die Irrungen und Wirrungen eines Jugendlichen aus Hamburg. Klingt, was fast unvermeidbar ist, nach Tomte und Kettcar, nur weniger ausgereift und leider auch ein wenig eintöniger.
Zwar gibt es Spandau schon seit knapp 10 Jahren, aber vielleicht fehlt bei lauter Eigenregie doch die Betreuung durch professionelle Hände um den Ticken Spannung in die Musik zu bringen. Die guten Ansätze sind hier und da deutlich zu sehen, und wer Texte wie den zu "Was komisch war ist fort" schreibt, der oberflächlich betrachtet banal, aber jedem Freund von emotionalem Indierock mit Bezug zu der dem Norden eigener Natur aufgehen lässt, kann was. Und zwar was Gutes.

 

Waste Of Mind Onlinefanzine, September 2007:

Bei dem Bandnamen ist ja schon einmal klar, dass es sich nicht um eine Band aus Berlin handeln kann. Dass sich aber Hamburger-Jungs nach einem Berliner Stadteil nennen, macht die Sache nur komischer. Die Band spielt jedenfalls Indiepop mit deutschen Texten und erinnert, auch vom Gesang her, manchmal an spätes Material von Schrottgrenze. Musikalisch halten sie einige nette Melodien parat, über die Texte kann man sicher streiten. Denn die liegen irgendwo zwischen Kitsch und wohl überlegt formuliert aber mit Interpretationsspielraum. Sind also vielleicht sogar stilsicher? Anhören kann man die fünf Songs ihrer EP ohne Ausschlag zu bekommen, die Erleuchtung ereilt einen aber auch keinesfalls. Aber ohne mal weiter auf Herkunft und Bandnamen rumzureiten: Was Spandau machen klingt gut, da kann durchaus noch was draus werden. Und dass die Band mit DIY und Engagement in Sachen Solikonzerte im Punkrock verwurzelt ist, macht sie nur sympathischer.

 

 All Schools Onlinemagazine, 2007:

Spandau…da war doch was. Da gibt es zum einen den Berliner Stadtteil – weniger spannend – und die New Romantics von SPANDAU BALLET. Die darf man mit ihrem Dandy Dress ruhig als die ideologischen Vorbilder etwa PANIC! AT THE DISCOs bezeichnen. SPANDAU aus Hamburg hingegen streichen das Ballet, tauschen Rüschen und Hedonismus gegen den Pragmatismus des Alltäglichen, behalten aber den melancholischen Ansatz des Romantikers. Einfacher, im 3 Akkorde Punk wurzelnder, Gitarrenpop und mal wirre, mal verwirrte und gelegentlich auch schöne Hamburger Schule Texte, gepaart mit einem Vortrag, den man so auch von einem völlig verzweifelten und vom Gefühlsmarathon abgehetzten alten Freund um 4 Uhr Morgens bekommen könnte, gibt es gleich fünf mal auf dieser EP. Die Liebe, das ist noch immer Thema Nr.1, klar, wie könnte es anders sein? Das alles kennt man natürlich schon von SCHROTTGRENZE, MUFF POTTER, frühen TOCOTRONIC, alten TOMTE und einer Vielzahl anderer Bands. Das macht SPANDAU aber nicht unbedingt schlecht, man freut sich ja, wenn deutsche Bands auch abseits vom Julimond Musik machen.
„Und ich frage nicht wie weit; sondern wohin man sieht, zum Soundtrack dieser Handlung / Konsequenzen, die man zieht – Gitarre links, Gitarrre rechts – und jetzt mal richtig, Szenezugehörigkeiten sind jetzt nicht mehr wichtig“ („Ansichten Der Ferne“), solche Zeilen aber sind, nun, eher wirr und man denkt schmunzelnd an einen kleinen Dialogfetzen aus dem so tollen, wie wenig beachteten Film „Keine Lieder über Liebe“: „Was das bedeuten soll? Keine Ahnung, es ist halt so typisch Hamburger Schule“ Das spiegelt sich auch im Cover wieder. Straßenromantik. Die Sonne im Rücken, den Kummer im Kopf, die Zukunft ungewiss. SPANDAU sind unterwegs. Wohin? Das wissen sie wahrscheinlich selbst nicht.

 

Rockstart Magazine # 5, Dezember 2007:

Nein, ich verbringe meine Zeit nicht nur auf der Autobahn, zuhause auf meinem Sofa ist es doch auch ganz schön. Dazu ein bisschen SPANDAU aus Hamburg hören, das entspannt. Der Großstadtschrammelpop auf ihrer EP "Was es bedeutet & was es heißt" mit unauf­dringlichen deutschen Texten schleicht sich nachdrücklich ins Ohr – und wem es manchmal etwas zu betroffen wird, der achtet dann eben mehr auf die Musik. Der Mix aus melodischem Punkrock und Indie-Pop gefällt nach mehrmaligem Hören immer besser, und dass die vier Jungs sich auch mit Soli-Konzerten für politische und soziale Gruppen und Projekte engagieren, gibt zusätzliche Sym­pathie-Bonuspunkte.

 

Sellfish Onlinemagazine, 2007:

SPANDAU - Das klingt nach Berlin. Stimmt aber nicht, denn die Herren sind in Hamburg beheimatet und wer sich die EP „Was es bedeutet & was es heißt“ zur Gemüte führt, hätte da auch drauf kommen können. Smells like Post-Hamburger Schule, aber nicht nur, denn da schimmern auch immer wieder schön schrammelige Emopunk-Gitarren durch. Ein wenig vergleichbar mit Herrenmagazin, mit denen man sich auch schon mal Personal geteilt hat. Nur ein bisschen weniger hitlastig, sieht man mal vom Titelsong der EP ab. Ansonsten gibt es feine Gitarrenkost mit betrübten Texten, die sowohl an der Elbe, wie anderswo funktionieren können. Freunde von Schrottgrenze, den Boxhamsters und Konsorten dürften sich hier wohl fühlen. Aus dem Nichts kommen Spandau dabei keinesfalls, schließlich sind sie schon ein paar Jährchen unterwegs, was man dem Songwriting auch anhört. Aufs Ganze wollen sie aber bisher anscheinend noch nicht gehen, vielleicht fehlt noch ein bisschen das letzte Stückchen Mut. Zutrauen würde man es ihnen auf jeden Fall, dass sie etwas reißen können in Indiehausen.

 

2017  Spandau aus Hamburg  Spandau aus Hamburg